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Das fantastische Wir

So kehren wir doch mal die Zeit ganz weit zurück, zum Anfang. Zu der Zeit wo es noch keinen von uns gab, nur Adam und Eva. Die Geschichte mit dem Apfel sollte jeder kennen, deshalb überspringen wir diese mal. Nun, Adam und Eva sind für die Entstehung der Menschheit verantwortlich, nicht wahr?
Fantastisch, dass aus zwei, acht Milliarden entstehen konnten. Fantastisch sind die Frau und der Mann. Zuerst entsteht aus der befruchteten Eizelle nun ein Wesen, das sich Mensch nennt, dieses Wesen sind wir. Anfangs kriegt man nichts mit, nicht ob man geplant war, ob man Freude erweckt oder Verzweiflung. Wir sind in diesem Zustand das wohl unschuldigste Wesen erdenkbar. Man wird von Haut, Fett, Muskeln umhüllt und gleichzeitig durch eine einzige Schnur, der Nabelschnur bewirtet.

Jetzt wachsen wir, es bilden sich Strukturen, Zellen vermehren sich und wir nehmen so langsam an Gestalt an. Dabei spielen die Gene unserer Eltern eine wichtige Rolle. Wenn wir annehmen, dass Adam und Eva unsere Vorfahren sind, so tragen wir alle irgendwo in unserem Erbgut ihr Gen. Die Gene bestimmen ob Stubsnase oder Rabennase, ob große, runde Augen oder ob wir eine Brille brauchen.

Plötzlich wird es laut, wir beginnen stimmen zu hören und bemerken, dass wir nicht allein sind. Wir nehmen schließlich unser Umfeld wahr. Eine weiche Stimme ertönt, sie lässt uns nicht gehen. sie ist immer da und flüstert manchmal zu uns. Wir gewöhnen uns an sie, nehmen sie wahr und beim erklingen dieser stimme freuen wir uns, wir alle. Wir beginnen zu treten, nicht aus Rache das wir in diese grenzenlos verhasste Welt gesetzt werden, sondern darum, dass wir wollen das wir auch wahrgenommen werden. In der Hoffnung, dass die so honig-süße Stimme sich an unserem Treten so erfreut, wie wir uns, wenn sie redet, murmelt, singt oder sogar flucht. Die meiste zeit schlafen wir, trotzdem schläft unser Umfeld nicht. Wer weiß, vielleicht veranstalten sie eine Baby-shower-party oder kaufen uns Klamotten oder versuchen unser Geschlecht herauszufinden. Irgendwann wird es uns zu eng. Wir haben uns schon so gedreht, dass wir kopfüber in einer lustigen blase liegen. Es kommt sogar dazu, dass diese Blase platzt. Die Flüssigkeit fließt dort lang, wo ich versuche rauszukommen, nur geht es bei mir nicht so einfach.

Wir verursachen Schmerzen. Die uns so verlässliche Stimme beginnt auf einmal zu stöhnen, zu schreien. Um ihren Schmerzen ein Ende zu bereiten, versuchen wir es noch stärker, jedoch weiterhin ohne Erfolg. Wir hören Sirenen, nur zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht was Sirenen sind, aber wir hören sie.

Wir spüren Druck, es wird wärmer, enger. wir sehen Licht, so warmes Licht.

Hände greifen nach uns, wickeln uns ein und wir beginnen zu kreischen. Ihre Stimmen so fremd, uns wird kalt. Plötzlich spüren wir wieder Wärme, von Kopf bis Fuß und siehe da, die verlässliche Stimme erklingt wieder, sodass wir unsere Münder schließen. Unsere Hände legen wir auf ihren Körper und ohne weiteres schlafen wir ein. Dieses Gefühl von Geborgenheit ist fantastisch. Wie dem auch sei beginnen wir unser Umfeld wahrzunehmen. Ein Mann, der immer bei uns ist. Autos, Flugzeuge, andere Kinder, ja sogar uns selbst. Wir beginnen die Welt zu erforschen, tapsen durch die Gegend, greifen nach Gegenständen oder probieren alles Mögliche. Anfangs mussten wir dafür auf unseren Händen und Knien gehen, nun sind wir schon so weit, dass wir auf unseren Füßen gehen können. Die vertrauten Gesichter, die sich anscheinend Papa und Mama nennen, freuen sich umso mehr und richten ein viereckiges ding auf uns, aus dem ein grelles licht hervorgeht. Auf einmal spüren wir etwas in unserem Mund, es schmerzt. Dennoch freuen sich Mama und Papa auch daran, sie nennen es ,,Zähnchen ́ ́, und wieder ein grelles Licht. Und eines Tages kriegen wir dann auch eine Stimme, und bemerken nicht wie kraftvoll diese ist. Ein Wort, ein Wort kann so viel bewirken.

Mein erstes Wort war ,,Mama ́ ́, sie freute sich riesig, Papa auch. Trotzdem konnte ich ein wenig Trauer erkennen. Dieser will ich nie wieder begegnen, weshalb ich ganz schnell gelernt hab ,,Papa ́ ́ zu sagen.

Egal was wir tun, ob wir das Haus verwüsten, Puppen die Haare abschneiden oder daneben pinkeln, sie lächeln jederzeit.

Jetzt höre ich Popmusik, experimentiere mit Klamotten und poste auf Instagram. Versuche herauszufinden wer ich bin, indem ich mich mit anderen vergleiche. Meine Freunde sagen ich sei besonders, aber was macht mich denn besonders?

Wer konnte überhaupt wissen, dass aus dieser einen Eizelle, wir mal werden? Ob wir männlich oder weiblich sind? Ob wir Christen, Juden oder Moslems sind? Schwarz oder weiß, Afrikaner, Europäer, Amerikaner oder Asiaten? Wer konnte wissen, an welchem Ort der Welt wir geboren werden? Wer konnte überhaupt wissen, dass man all das voneinander unterscheidet?

Und weshalb gibt es diese Unterschiede? Weshalb vergisst der Mensch den Prozess der Sozialisation? Weshalb vernachlässigt er das der Prozess bei jedem der gleiche ist und wir alle doch Menschen sind?

Trotzdem gibt es den Begriff ,,unmenschlich ́ ́. Er wird zum Beschreiben der Personen benutzt die Kriege zetteln, solchen die Moscheen, Kirchen, Synagogen bombardieren, solchen die andere wie uns nicht lassen die Welt zu erforschen, solchen die uns und unseren liebsten die Stimme nehmen. Ungeheuer ist der Mensch mit all seinen Fähigkeiten. Diese Welt war nicht für Unterschiede und Hass bestimmt, sondern für Gemeinschaft und Harmonie,
So schreibe ich es für alle nochmal ganz laut: WIR SIND GLEICH! Und das ist fantastisch!

©2019 SchreibKunst-Blog/ Fatma Turgut (E-Phase)

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