Springe zum Inhalt

Morsche, Moin, Hä?

Mia betritt schüchtern den Klassenraum. Sie setzt sich auf den einzig freien Stuhl, ganz vorne, direkt vor der Lehrerin. Hinter sich hört sie leises Geflüster, hier und dort ein leises „Streberin“.

Die Lehrerin teilt Arbeitsblätter aus. Kennlernbögen - gleich stürzt sich eine Horde von Mädchen auf sie, und sie stellen Ihr all die Fragen auf dem Arbeitsbogen. Doch die Antwort interessiert niemand - sie selbst kommt nicht zu Wort. Am Ende ist sie die einzige die nichts auf ihrem Blatt stehen hat.

So hat sie sich ihren ersten Schultag nicht vorgestellt.

Wehmütig erinnert sie sich an Zuhause. An ihre beste Freundin, und wie sie zusammen geweint hatten, als ihre Eltern entschlossen hatten nach Deutschland zu gehen - zurück in das Heimatland ihrer Mutter. Ein Land, in dem Mia selbst vor langer Zeit und auch nur ein Jahr gelebt hat, ein fremdes Land. Damals waren sie hiergeblieben, weil ihre Mutter krank wurde, und sie nicht zurückkonnten. Dieses Mal sind sie gekommen, um Arbeit zu finden. Wie sich die Kinder dabei fühlen, war vollkommen egal.

Traurig geht Mia in die Pause. Ein paar Jungs aus ihrer Klasse kommt auf sie zu, und als sie schüchtern „Guten Tag“ sagt, rufen die Jungen: „Guten Tag! Sie hat Guten Tag gesagt!“ „Morsche heißt das, vielleicht auch Moin!“. „Guten Tag! Die redet ja wie Astrid Lindgren!“ „Hey, Mädchen, kannste etwa kein Deutsch?“ „Ohh, jetzt ist sie beleidigt“ die Jungs gehen lachend weiter.

„Sind mir doch egal“, murmelt Mia leise, „und was haben sie gesagt? Morsche? Ernsthaft?“ ärgerlich geht sie weiter. Bald merkt sie, dass sie ganz allein auf dem Schulhof ist.

Mia wundert sich, wo alle Kinder sind und geht zur Sicherheit in den Klassenraum. Da sitzen schon alle und lernen. „Es tut mir leid, ich habe die Schulglocke nicht gehört“ sagt Mia erschrocken. „Wir haben keine“ lacht die Lehrerin, „war denn niemand bei dir?“. Mia will schon antworten, doch da bemerkt sie, dass eines der Mädchen sie bittend anschaut. „Wenn du hier jemals Freunde haben willst“ denkt sie sich, „dann tu dem Mädchen den Gefallen und sag was.“ „Ähh…. doch, ähh… sie sind vorgegangen, ähh… ich bin zurückgeblieben, ähh…. Ja“. Die Lehrerin lacht noch einmal, dann macht sie aber mit dem Unterricht weiter. Mia ist ganz durcheinander, und bleibt still bis zum Ende des Unterrichtes.

Am Ende des Schultages geht Mia vorsichtig den anderen Mädchen hinterher, in der Hoffnung das sie ihr den Weg aus diesem riesigem Schulgebäude zeigen könnten. Plötzlich rennen die Mädchen los, und nach einem kurzem verwundertem blick rennt auch Mia hinterher. Da steht die Straßenbahn. Die Mädchen steigen schnell ein, denken aber nicht daran die Tür offenzuhalten. Durch die geschlossene Tür sieht Mia wie sie lachen.

Doch da hört Mia ihren Namen, in der nächsten Tür steht ein Mädchen mit einer Sporttasche, das ruft: „Komm schnell, hier ist jede Menge Platz!“ Mia läuft sofort rüber. „Mach dir nichts aus denen. Das sind nur Zicken.“ sie unterhalten sich, und stellen fest das sie ganz nah beieinander wohnen. Vor der Haustür sagt das Mädchen: „Ciao Mia. Außerdem, ich heiße Samira!“

An diesem Abend ist Mias letzter Gedanke: „Morgen!“

©2018 SchreibKunst-Blog/ Paulina Dauth (7b)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.