{"id":2260,"date":"2022-10-04T19:00:15","date_gmt":"2022-10-04T17:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=2260"},"modified":"2022-10-04T19:00:15","modified_gmt":"2022-10-04T17:00:15","slug":"vivien-meyer-die-stimme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/vivien-meyer-die-stimme\/","title":{"rendered":"Vivien Meyer &#8211; Die Stimme"},"content":{"rendered":"<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Es ist der 18. Januar 2001. F\u00fcr Tom ein ganz normaler Tag, der wie jeder Andere\u00a0 beginnt. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Nicht wie andere Kinder wird er liebevoll von seinen Eltern geweckt, sondern durch die <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Schreie seiner Eltern, die so laut sind, dass man sie vermutlich noch drei H\u00e4user weiter h\u00f6ren <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">kann. W\u00e4hrend die Schreie seiner Mutter pure Angst und Schmerz verk\u00f6rpern, sind die <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Schreie seines Vaters von innerer Wut und Aggressionen gepr\u00e4gt. Meistens fangen die <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Konflikte<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">damit<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">an,<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">dass<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Toms<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Vater<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">seine<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Mutter<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">f\u00fcr<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">irgendwelche<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Kleinigkeiten <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">verantwortlich macht. Nicht selten enden diese Konflikte mit k\u00f6rperlicher Gewalt. Er hat <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">einmal geh\u00f6rt, wie sein Vater ausgerastet ist, weil seine Mutter den M\u00fcll nicht rausgebracht <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">hat. Daraufhin hat er sie so doll auf den Boden geschlagen, bis sie dort lag und sich nicht <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">mehr bewegen konnte, um dann schlie\u00dflich stundenlang auf sie einzutreten. In Situationen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">wie diesen schlie\u00dft sich Tom in seinem Zimmer ein und h\u00e4lt sich die Ohren zu in der <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Hoffnung, die Schreie seiner Mutter nicht ertragen zu m\u00fcssen. Trotz alledem, dass\u00a0 Tom sich <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">irgendwann an das alles gew\u00f6hnt hat, w\u00fcnscht er sich nichts mehr, als mit seiner Mutter <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">abzuhauen, um von seinem Vater wegzukommen. Auch an diesem Morgen war dies sein <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">einziger Wunsch. Was Tom zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass in genau zwei W<\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">ochen alles vorbei sein w\u00fcrde. Allerdings nicht ganz, wie er sich das vorstellte. <\/span><\/p>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Es ist der 01. Februar 2013. Tom sitzt in seiner Einzimmerwohnung, welche sich in einem <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">riesigen<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Wohnblock<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">in<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Berlin<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">befindet.<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Er<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">schaut<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">aus<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">dem<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">23.<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Stock<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">aus<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">seinem <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">K\u00fcchenfenster in die Ferne und l\u00e4sst seine Gedanken schweifen, so wie er es jeden Tag <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">macht. Nur, dass dieser Tag kein gew\u00f6hnlicher Tag ist, denn genau vor 13 Jahren verstarb <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">seine Mutter, nachdem sein Vater sie in einem ihrer unz\u00e4hligen Konflikte gew\u00fcrgt hatte, bis <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">sie schlie\u00dflich keine Luft mehr bekam und starb. Tom war damals nicht zu Hause, als es <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">passierte. Er war in der Schule und als er nach Hause kam, war das Haus von Polizisten <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">umzingelt. F\u00fcr Tom war dies einer der schlimmsten Tage in seinem Leben. Sein\u00a0 Vater nahm <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">ihm die Person, die er am meisten liebte. Seine Mutter war eine\u00a0 unfassbar liebe Frau, die <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">immer versuchte, in allem und jedem das Positive zu\u00a0 sehen. Immer wieder schaffte sie es, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">trotz all den Umst\u00e4nden, Tom ein L\u00e4cheln ins Gesicht zu zaubern. Nachdem er an diesem Tag <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">erfahren hatte, dass er seine Mutter nie wieder sehen w\u00fcrde, brach seine Welt zusammen. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Nun war er alleine. Sein Vater wurde aufgrund von Totschlag zu zehn Jahren Haft verurteilt. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Er hatte keine Verwandten, keine Freunde oder sonst irgendwelche Bezugspersonen. Aus<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">diesem Grund kam er in diverse Pflegefamilien, bis er endlich alt genug war, um seine <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Sachen zu packen und auszuziehen. Und jetzt sitzt er hier in Berlin, in seiner Wohnung, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">alleine. Aber einsam ist Tom trotzdem nicht, denn seine Mutter ist immer da. Er h\u00f6rt ihre <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Stimme, egal wann und wo, sie spricht mit ihm. Es sind verschiedene Dinge, die sie ihm sagt, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">aber einen Satz wiederholt sie jeden Tag:<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">\u201eErst wenn er nicht mehr da ist, dann bist du frei.\u201c <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Tom wei\u00df, dass dieser Satz auf seinen Vater bezogen ist, der sich vor knapp drei Jahren im <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Gef\u00e4ngnis das Leben nahm. Physisch war er nicht mehr anwesend, aber die Narben, die er <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">hinterlie\u00df, blieben. In seinem Inneren war sein Vater noch lange nicht tot und als er vor <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">kurzem einkaufen war und einem Mann begegnete, der seinem Vater unfassbar \u00e4hnlich sah, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">beschloss er auf die Stimme seiner Mutter zu h\u00f6ren. <\/span><\/p>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">T<\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">om stand auf und entfernte sich von seinem Fenster. Nun setzte er sich an seinen Esstisch <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">und klappte seinen Laptop auf, um die Dating-Plattform aufzurufen, bei der er sich vor <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Kurzem<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">ein<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Profil<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">erstellte.<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Nicht<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">etwa,<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">weil<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Tom<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Interesse<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">daran<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">hatte<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Frauen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">kennenzulernen. Tom war auf der Suche nach M\u00e4nnern. Genauer gesagt nach M\u00e4nnern, die <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">seinem toten Vater \u00e4hnlich sehen. Aus diesem Grund erstellte er ein Profil, bei dem er sich als <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">eine 33-J\u00e4hrige Frau ausgab. Schnell wurde er f\u00fcndig. Er hatte ein Match mit einem <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">37-J\u00e4hrigen Mann namens Oliver. Oliver lebte ebenfalls in Berlin, weshalb er sich perfekt als <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Opfer eignete. Die \u00c4hnlichkeit zu seinem Vater war verbl\u00fcffend. Er hatte kurze braune <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Haare, ein markantes Gesicht mit einer auff\u00e4lligen gro\u00dfen Nase. Wie sein Vater, war er eher <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">schmal gebaut. Das Einzige, worin sich die beiden unterschieden, war die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe, denn <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Toms Vater war ein relativ gro\u00dfer Mann, w\u00e4hrend Oliver mit einer K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe von 1,73 m <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">klein war. Allerdings st\u00f6rte Tom dies nicht weiter, weshalb er Oliver <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">trotzdem eine kurze Nachricht schrieb. Schnell entwickelte sich ein Gespr\u00e4ch und Tom war <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">froh, dass Oliver so gespr\u00e4chig war, denn dadurch hatte er es einfacher, viele Informationen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">\u00fcber ihn zu erhalten. So erfuhr er zum Beispiel, dass Oliver keine Kinder hat und er\u00a0 zu seinen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Eltern kaum noch Kontakt hatte. Diese Faktoren waren sehr wichtig, denn so w\u00fcrde es lange <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">dauern, bis jemand Oliver bei der Polizei als vermisst melden w\u00fcrde. Toms Ziel war es, ein <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Treffen mit Oliver auszumachen, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Allerdings wollte er <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">nichts \u00fcberst\u00fcrzen und so entschloss er sich damit noch ein paar Tage zu warten. Tom hatte <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">einen genauen Plan von seinem Vorhaben. Er hatte alles bis auf das kleinste Detail geplant <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">und war sich seiner Sache bewusst. Auch wenn das Treffen mit Oliver noch nicht vereinbart <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">war, wusste er, dass es funktionieren w\u00fcrde. <\/span><\/p>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Drei Tage sind nun vergangen und schlie\u00dflich vereinbarten die beiden ein gemeinsames <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Treffen. Gl\u00fccklicherweise lie\u00df Oliver sich dazu \u00fcberreden, zu Tom nach Hause zu fahren, um <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">ihn dort abzuholen, damit sie anschlie\u00dfend ins Kino gehen k\u00f6nnten. Nat\u00fcrlich werde es dazu <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">nie kommen. Auch seine richtige Adresse gab Tom logischerweise nicht an. Er hatte zuvor <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">schon die passende Adresse herausgesucht, wo er Oliver hinlocken w\u00fcrde. In genau sieben <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Tagen wird es so weit sein. In genau sieben Tagen wird Tom sich das nehmen, was ihm seit <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">langer Zeit zusteht. Sein Vater nahm ihm nicht nur seine Mutter. Er nahm ihm seine Kindheit. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Tom konnte nie frei sein, wie alle anderen Kinder in der Schule. Sein Vater sorgte daf\u00fcr, dass <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">er sein Zimmer nicht verlassen konnte, ohne panische Angst zu bekommen. Er konnte nicht <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">mit anderen Kindern spielen, wann er wollte und erst recht konnte er keine Freunde mit nach <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Hause bringen. Aber irgendwann hatte Tom sowieso keine Freunde mehr, weil er sein <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Zimmer nicht mehr verlie\u00df. Viel hatte sich daran nicht ge\u00e4ndert, denn seine Wohnung verl\u00e4sst <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">er bis heute kaum. Aber das w\u00fcrde sich \u00e4ndern, n\u00e4mlich in genau sieben Tagen, wenn Tom<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">sich seine Freiheit zur\u00fcckholen w\u00fcrde. <\/span><\/p>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Es ist der 11. Februar 2013. Sieben Tage, nachdem Tom das Treffen mit Oliver vereinbart <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">hatte, sind nun vergangen. Es ist jetzt kurz nach vier und Tom hat noch genau drei Stunden, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">bis Oliver ihn von \u201ezu Hause\u201c abholen wird. Zum Gl\u00fcck war es Winter, weshalb es gegen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">f\u00fcnf Uhr schon stockdunkel war. Die Adresse, die er Oliver gab, war ein riesiger Wohnblock, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">welcher ziemlich abgelegen von der Stadt war. Er w\u00fcrde dorthin mit dem Auto\u00a0 ungef\u00e4hr 30 <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Minuten brauchen. Er entschloss sich dazu, eine Stunde vor dem Zeitpunkt des Treffens <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">loszufahren, damit er genug Zeit haben w\u00fcrde, sein Vorhaben, wie geplant, durchzuf\u00fchren. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Demnach hatte er jetzt noch genau zwei Stunden, bis er losfahren m\u00fcsse. In dieser Zeit belud <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">er sein Auto mit diversen Dingen. Darunter befanden sich verschieden lange Seile, ein <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">scharfes Messer, unterschiedliche Skalpelle und viele weitere Dinge, die Tom f\u00fcr sein <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Vorhaben ben\u00f6tigen wird. Jetzt war es noch genau eine Stunde bis zu dem Treffen. Tom<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">setzte sich in sein Auto und fuhr zu der Adresse. W\u00e4hrend der Fahrt war er ganz aufgeregt. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Wie wird er sich danach f\u00fchlen? Wie wird sein Leben nach dieser Tat aussehen? Er h\u00f6rte <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">seine Mutter, wie sie ihm sagte:<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\"><em>\u201eErst wenn er nicht mehr da ist, dann bist du frei.\u201c<\/em> <\/span><\/p>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Tom kam an der Adresse an. Er stellte seinen Pkw auf einen dunklen, abgelegenen Parkplatz. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Nun suchte er sich ein Versteck in der N\u00e4he des Eingangs des Wohnblocks. Wenn Oliver an <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">der Adresse ankommen w\u00fcrde, w\u00fcrde er zu dem Eingang gehen und nach der Klingel mit <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">dem Nachnamen suchen, den Tom ihm sagte. Nat\u00fcrlich existierte dieser Name nicht und so <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">w\u00fcrde Oliver verwundert die einzelnen Namen auf den Klingeln durchgehen. W\u00e4hrend dieser <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Zeit wird Tom sich von hinten anschleichen und ihn mithilfe von Chloroform in den <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">bewusstlosen Zustand bringen. Sein Plan ging auf. Olivers kurzer panischer Schrei hielt nicht <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">lange an, denn nach ein paar Sekunden hielt Tom den bewusstlosen K\u00f6rper in seinen\u00a0 Armen. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Nun musste er sich beeilen, um von niemandem gesehen zu werden. So trug er den K\u00f6rper zu <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">seinem Auto und hieb ihn in den Kofferraum. Zus\u00e4tzlich fesselte Tom ihn mit einem Seil an <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">den H\u00e4nden und den Beinen. Er stieg in das Auto und fuhr los. Die abgelegene alte <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Lagerhalle war zum Gl\u00fcck nicht weit von dem Wohnblock entfernt. Er brauchte ungef\u00e4hr 20 <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Minuten, bis er dort ankam. Aus dem Kofferraum h\u00f6rte er langsam, wie Oliver wieder zu <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Bewusstsein kam, weshalb er sich mit dem Transport in die Lagerhalle beeilen musste. Aber <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">auch dies verlief nach Plan und nun lag er vor ihm auf dem Boden und Tom stand daneben. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Genauso, wie sein Vater immer daneben stand, wenn seine Mutter verzweifelt auf dem Boden <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">lag<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">und<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">er<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">es<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">genoss.<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Tom<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">wartete<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">noch<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">ein<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">paar<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Minuten,<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">bis<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Oliver<\/span> <span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">wirklich bei <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Bewusstsein war. Er wollte, dass Oliver alles sp\u00fcrte und mitbekam, was Tom ihm zuf\u00fcgen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">w\u00fcrde. Es dauerte noch ein paar Minuten und schlie\u00dflich war er bei vollem Bewusstsein. <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Oliver fing direkt an zu schreien, nachdem er realisiert hatte, dass er sich in einer Lagerhalle <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">befand und ein fremder Mann neben ihm stand. Doch er h\u00f6rte auf zu schreien, nachdem Tom <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">ein gro\u00dfes, scharfes Messer hinter seinem R\u00fccken hervorzog. Nun war nur noch pure Angst <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">in Olivers Gesicht zu sehen und Tom genoss es, denn die Angst, die er immer als Kind sp\u00fcrte <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">und die ihm sein Leben ruinierte, \u00fcbertrug er nun auf eine andere Person und er stellte sich<\/span><br role=\"presentation\" \/><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">vor, dass nicht Oliver vor ihm lag, sondern sein Vater. Nun w\u00fcrde er ihm die Freiheit nehmen, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">aber daf\u00fcr w\u00fcrde er sie bekommen. Tom begann mit seinem Plan und anfangs fing Oliver <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">wieder an zu schreien, aber nach kurzer Zeit begriff er, dass es keinen Ausweg gibt und egal <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">wie laut er schreien w\u00fcrde, es w\u00fcrde nichts bringen. Tom schnitt mit den verschiedenen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Skalpellen Muster in seine Haut, haupts\u00e4chlich, um Oliver Schmerzen zuzuf\u00fcgen. Nachdem <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">er ein paarmal das Bewusstsein\u00a0 aufgrund der Schmerzen verlor, beschloss Tom, dass es nun <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">so weit war. Er nahm das Messer, setzte es an seiner Kehle an und schnitt hindurch. Blut <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">str\u00f6mte heraus und das Leben von Oliver war beendet. Tom f\u00fchlte sich befreit. Er nahm sich, <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">was ihm geh\u00f6rte und er h\u00f6rte die Stimme seiner Mutter, wie sie ihn lobte. Noch nie im Leben <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">war Tom so gl\u00fccklich. Noch nie hatte er das Gef\u00fchl frei zu sein, aber jetzt endlich sp\u00fcrte er es <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">und es war wundersch\u00f6n. Tom lie\u00df die Leiche in der Lagerhalle liegen. Man wird sie <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">irgendwann finden, aber niemals wird eine Spur zu ihm f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Es ist der 15. Februar 2013. Vor vier Tagen nahm Tom Oliver das Leben. Nun steht Tom <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">erneut vor seinem K\u00fcchenfenster und schaut in die Ferne. Die Freiheit, die er vor vier Tagen <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">noch so extrem sp\u00fcrte, wurde von Tag zu Tag weniger und jetzt h\u00f6rt er die Stimme seiner <\/span><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">Mutter wieder, die ihm sagt:<\/span> <em><span dir=\"ltr\" role=\"presentation\">\u201eErst wenn er nicht mehr da ist, dann bist du frei.\"<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der 18. Januar 2001. F\u00fcr Tom ein ganz normaler Tag, der wie jeder Andere\u00a0 beginnt. Nicht wie andere Kinder wird er liebevoll von seinen Eltern geweckt, sondern durch die Schreie seiner Eltern, die so laut sind, dass man sie vermutlich noch drei H\u00e4user weiter h\u00f6ren kann. W\u00e4hrend die Schreie seiner Mutter pure Angst <a href=\"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/vivien-meyer-die-stimme\/\" class=\"more-link\">...weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> \"Vivien Meyer &#8211; Die Stimme\"<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[378,42],"tags":[],"class_list":{"0":"post-2260","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-378","7":"category-luo-literaturpreis","8":"h-entry","9":"hentry","10":"h-as-article"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2260"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2260\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2261,"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2260\/revisions\/2261"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}