{"id":1910,"date":"2021-06-04T11:22:51","date_gmt":"2021-06-04T09:22:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=1910"},"modified":"2021-06-04T11:31:38","modified_gmt":"2021-06-04T09:31:38","slug":"maria-kirsch-zur-gleichen-zeit-3-platz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/maria-kirsch-zur-gleichen-zeit-3-platz\/","title":{"rendered":"Maria Kirsch: Zur gleichen Zeit \u2013 3. Platz"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><strong>Zur gleichen Zeit\u202f\u202f\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Wie jeden Abend sa\u00df Maia an ihrem Fenster.\u00a0Schon im Pyjama, in eine Decke gekuschelt und eine Tasse Tee in der Hand, sah sie in den Nachthimmel, der sich \u00fcber die Hochh\u00e4user streckte.\u00a0Sie hoffte,\u00a0dieses Mal die Sterne strahlen zu sehen, doch wie\u00a0\u00fcblich wurde sie entt\u00e4uscht. Die Lichter der Stadt \u00fcberstrahlten die Sterne bei weitem und das einzige, was sie hell und klar\u00a0am\u00a0Himmel sah, war der Mond. Manchmal w\u00fcnschte sie sich,\u00a0an einem\u00a0anderen\u00a0Ort\u00a0zu leben. Sie\u00a0wusste\u00a0nicht, wohin sie gehen w\u00fcrde,\u00a0wenn sie die M\u00f6glichkeit h\u00e4tte. Doch dort, wo auch immer es\u00a0war, sollte die Nacht dunkel bleiben. Dann k\u00f6nnte sie jede Nacht rausgehen und die Sterne z\u00e4hlen.\u202f<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Maia konnte\u00a0schon vor ihrem inneren Auge\u00a0die leuchtenden Lichter am Himmel sehen. Sie trank einen Schluck Tee und war ganz in ihre kleine\u00a0Wunschwelt\u00a0versunken, bis sie ein lautes Hupen zusammenzucken lie\u00df. Wo auch immer dieser Ort\u00a0war, dort sollte es\u00a0ruhig\u00a0sein, stellte sie fest. So leise, dass man sogar die\u00a0Bl\u00e4tter\u00a0im Wind rascheln\u00a0h\u00f6ren konnte. Und es w\u00e4re toll, wenn man jeden kennen w\u00fcrde, dachte sie weiter. Wenn man sich mit jedem unterhalten k\u00f6nnte, jeder einen fragt, wie es einem geht, was man so macht. Maia seufzte.\u202f<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">So einen Ort\u00a0gab\u00a0es wahrscheinlich\u00a0heutzutage\u00a0nicht\u00a0mehr. \u00dcberall fuhren Autos und sie kannte ja nicht einmal die Namen ihrer Nachbarn<\/span><span data-contrast=\"none\">.\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">Sie seufzte noch einmal und sah wieder in den Himmel. Wie zu erwarten war, konnte sie immer noch\u00a0nur wenige\u00a0Sterne sehen. Sie trank noch einen Schluck Tee.\u202f<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Sie wollte gerade aufstehen und ins Bett gehen, da sah sie am Himmel eine Sternschnuppe aufblitzen. Sie leuchtete\u00a0viel\u00a0heller als die restlichen Sterne und strahlte heller als die grellen Lichter der Stadt, war jedoch nach einer Sekunde wieder verschwunden. \u201e Eine Sternschnuppe\u2026\u201c, fl\u00fcsterte Maia. Sie grinste. Sie schloss die Augen ganz fest und w\u00fcnschte sich etwas:\u00a0Sie w\u00fcnschte sich, an einen Ort zu kommen, der so anders\u00a0war\u00a0als dieser. Einen Ort, von dem sie hier nur tr\u00e4umen\u00a0konnte.\u00a0Sie \u00f6ffnete die Augen\u00a0und\u00a0lie\u00df\u00a0ihren Blick\u00a0\u00fcber die Hochh\u00e4user gleiten. Dann\u00a0wandte sich ab und ging ins Bett.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Zur gleichen Zeit, an einem anderen, weitentfernten Ort, sa\u00df Cecilia auf dem Dach ihres Hauses und starrte in den Himmel hinauf. Eigentlich durfte sie das nicht, da sie runterfallen k\u00f6nnte,\u00a0doch das war ihr egal. Cecilia strich ihre Haare zur\u00fcck, seufzte und blickte \u00fcber die D\u00e4cher des kleinen Dorfes, das sie ihr Zuhause nannte.\u00a0Es war ein\u00a0so kleines Dorf, dass es fast auf keiner Karte verzeichnet war. Immer wenn Reisende sich dorthin verirrten, waren\u00a0sie ganz \u00fcberrascht und blieben\u00a0ein paar Tage, um\u00a0die Ruhe dort\u00a0zu genie\u00dfen. Die Ruhe, die Cecilia kaum noch aushalten konnte.\u202f<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Oft \u00fcberlegte sie, wie es w\u00e4re, wenn sie heimlich den Reisenden\u00a0folgen w\u00fcrde. Oft stellte sie sich vor, wie sie in einer gro\u00dfen Stadt ankommen w\u00fcrde, all die neuen Gesichter, die sie sehen k\u00f6nnte. Ein Ort an dem niemand sie kannte, an dem jeder sie in Ruhe lassen w\u00fcrde. Das klang wie ein unerreichbarer Traum. Sie blickte wieder zu den Sternen. Sie waren so klar und hell, als\u00a0w\u00e4re jeder ein eigener Mond. Ob sie von \u00fcberall gleich aussahen? Ob jemand in einer gro\u00dfen Stadt auf die gleiche Sterne sah?\u202f\u202f\u202f<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Sie fing an die Sterne zu z\u00e4hlen\u2026\u00a0Doch sie kam nicht weit, denn eine Stimme durchbrach die Stille: \u201eCECILIA! Wo steckst du wieder?!\u00a0Komm sofort aus deinem Versteck!\u201c Sie\u00a0zuckte zusammen. Ihre Mutter klang\u00a0ziemlich\u00a0w\u00fctend. Sie sollte\u00a0sich beeilen,\u00a0bevor\u00a0ihre Mutter sie auf dem Dach fand.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Cecilia warf noch einen letzten Blick in den Himmel.\u00a0So\u00a0konnte sie\u00a0gerade noch sehen, wie eine Sternschnuppe den Himmel \u00fcberquerte. Sie l\u00e4chelte. Sie schloss die Augen und w\u00fcnschte sich\u00a0etwas. Sie w\u00fcnschte sich, an einen Ort zu kommen, der so anders\u00a0war als\u00a0dieser. Ein Ort, von dem sie hier nur tr\u00e4umen\u00a0konnte. Ohne sich noch\u00a0mal umzudrehen,\u00a0kletterte\u00a0sie<\/span><span data-contrast=\"none\">\u00a0<\/span><span data-contrast=\"none\">in der Dunkelheit der Nacht\u00a0<\/span><span data-contrast=\"auto\">und\u00a0ging\u00a0ins Bett.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur gleichen Zeit\u202f\u202f\u00a0 Wie jeden Abend sa\u00df Maia an ihrem Fenster.\u00a0Schon im Pyjama, in eine Decke gekuschelt und eine Tasse Tee in der Hand, sah sie in den Nachthimmel, der sich \u00fcber die Hochh\u00e4user streckte.\u00a0Sie hoffte,\u00a0dieses Mal die Sterne strahlen zu sehen, doch wie\u00a0\u00fcblich wurde sie entt\u00e4uscht. 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