{"id":1833,"date":"2021-05-12T19:40:25","date_gmt":"2021-05-12T17:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=1833"},"modified":"2021-05-12T19:47:49","modified_gmt":"2021-05-12T17:47:49","slug":"tom-schmidt-alles-anders-eine-biografie-des-coronavirus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/tom-schmidt-alles-anders-eine-biografie-des-coronavirus\/","title":{"rendered":"Tom Schmidt: Alles anders &#8211; Eine Biografie des Coronavirus"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" data-page-number=\"1\" data-loaded=\"true\">\n<div class=\"textLayer\" style=\"text-align: center;\"><strong>Alles anders - Eine Biografie des Coronavirus<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"textLayer\"><strong>Kapitel 1<\/strong><\/div>\n<div class=\"textLayer\">Hallo, mein Name ist Co Rona und ich wurde auf einem Markt im chinesischen Wuhan geboren. Dort war eine Riesenmenge an Leuten, super, dachte ich, hier kann ich mich ganz schnell verbreiten. Also heftete ich mich an einen Mann, der ganz aufgeregt durch die gro\u00dfe Menschenmenge lief. Als der Mann an seinem Ziel angekommen war, wusste ich, warum er es so eilig hatte: Sein Flug nach Deutschland ging schon in einer Stunde! Nach einer halben Stunde am Sicherheitscheck lagen die Nerven des Mannes blank. Er sprintete zu seinem Gate. Ich musste mich festhalten, umnicht herunterzufallen. Am Gate angekommen, war niemand mehr da, alle waren schon eingestiegen. \u201eSie sind der letzte! Beeilen Sie sich, wenn der Flieger nicht ohne Sie fliegen soll\u201c sagte die Flughafenmitarbeiterin m\u00fcrrisch, offenbar machte sie \u00dcberstunden. Fast tat sie mir leid.\u201eDanke, dass Sie auf mich gewartet haben\u201c bedankte sich der Mann. Als der Mann der Flughafenmitarbeiterin das Flugticket zeigte, sah ich, dass der Mann, an den ich mich geheftet hatte, Malte hie\u00df. Sein Flug ging nach Deutschland, genauer gesagt nach Berlin.Ich war total begeistert.Ich war zwar noch nie in Berlin, allerdings habe ich dort einen Bruder, der \u00fcbrigens Co Vid hie\u00df. Er schreibt mir ganz oft Briefe, in denen drinsteht, an wen er sich geheftet hatte.In diesen Briefen stand allerdings noch etwas: In Deutschland wurde noch nicht alles desinfiziert und es gab noch keine Sicherheitsma\u00dfnahmen, also das reinste Paradies.Als Maltesich endlich auf seinen Sitz setzte und das Flugzeug starten konnte, rief er seine Mutter an. In dem Gespr\u00e4cherfuhr ich, dass Malte Gesch\u00e4ftsmann istund gerade seine Gesch\u00e4ftsreise in China beendet hatte und jetzt wieder nach Hause flog.Nach zehn Stunden Flug landeten wir endlich. Ich war \u00fcbergl\u00fccklich! Wie mein Bruder Co Vid es mir schrieb, gab es wirklich keine Sicherheitsma\u00dfnahmen. Malte nahm seinen Koffer und stieg aus. Als wir aus der Gangway herauskamen, stockte mir der Atem. So eine sch\u00f6ne Menge zum weiterverbreiten! Es war wirklich alles andersals in China!<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"textLayer\"><strong>Kapitel 2<\/strong><\/div>\n<div class=\"textLayer\">Malte hatte wirklich eine sehr luxuri\u00f6se Wohnung. Es hingen \u00fcberall in der Wohnung Bilder von bekannten K\u00fcnstlernherum, er war also auch noch ein Kunstsammler.Nach einiger Zeit wurde mir erst wirklich bewusst, wie viel Geld Malte haben musste. Er hatte sogar einen pers\u00f6nlichen Butler!Als Malte am n\u00e4chsten Morgen aufwachte, setzte er sich fast auf mich drauf.Ich muss wirklich mal meinen Platz wechseln, dachte ich mir.<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" data-page-number=\"2\" data-loaded=\"true\">\n<div class=\"canvasWrapper\"><\/div>\n<div class=\"textLayer\">Zum Fr\u00fchst\u00fcck a\u00df Malte Haferflocken. Ziemlich einfach f\u00fcr so ein hohes Tier, finde ich. Als ich auf die Uhr sah, war es 6:30 Uhr. Mann, Mann, Mann, der ist ja schon ziemlich fr\u00fch auf den Beinen!<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"textLayer\"><strong>Kapitel 3<\/strong><\/div>\n<div class=\"textLayer\">P\u00fcnktlich um 7:00 Uhr sa\u00df Malte im Auto. Auf dem Weg zu seiner Firma trank er zum Aufwachen einen Energy Drink. Ich probierte auch ein Schl\u00fcckchen, w\u00e4redabei aber fast ersoffen. Gemeingef\u00e4hrlich, dieser Drink.In seinem B\u00fcro angekommen ging Malte zu seinem Schreibtisch. Dort stand ein schon angeschalteter Laptop, Malte musste nur noch sein Passwort eingeben. Dann kam pl\u00f6tzlich eine Frau, etwa f\u00fcnfundzwanzig Jahre alt mit einem Kaffee auf einem Tablet.\u201eWollen Sie einen Kaffee, Herr Lenze?\u201c fragte die Frau in einem etwas unterw\u00fcrfigen Ton.\u201eDas ist sehr nett von Ihnen, Josie\u201cantwortete Malte.Das Gespr\u00e4ch ging noch weiter, aber etwas anderes zog meinen Blick auf sich. Auf Josies Mantel sa\u00df ein M\u00e4dchen! Und es war sogar das gleiche Virus wie ich! Das war Liebe auf den ersten Blick. Also sprang ich von MaltesJackett und kletterte auf Josies Mantel.\u201eHallo, ich bin Sars Cov! Und wer bist du?\u201c fragte das Virusm\u00e4dchen. \u201e\u00d6hm ... ich bin ... \u00e4hm ... Co Rona.\u201c stotterte ich und wurde dabei ganz rot.Dann f\u00fchrten wir ein sehr interessantes Gespr\u00e4ch. Ich fand heraus, dass Sars Cov aus Wien stammte und mit dem Zug nach Berlin gekommen war.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"textLayer\"><strong>Kapitel 4<\/strong><\/div>\n<div class=\"textLayer\">SarsCov nahm mich mit in Josies Wohnung. Und dort war es nicht halb so luxuri\u00f6s wie in der Wohnung von Malte. Das war mit aber auch herzlich egal, solange ich bei Sars Cov war.Am n\u00e4chsten Tag wachte ich in Josies Bett, direkt neben Sars Cov auf.\u201eAufstehen! Oder willst du, dass Josie ohne uns zur Arbeit f\u00e4hrt?\u201c h\u00f6rte ich Sars sagen.Als wir da waren, konnte ich einen Blick auf das Schild der Firma erhaschen, in der Josie arbeitete:<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/biontech.de\/sites\/default\/files\/190705_Biontech_Logo_RGB_Dark%20Green%20%28Preferred%29_0_0.png\" width=\"335\" height=\"37\" \/><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"page\" data-page-number=\"3\" data-loaded=\"true\">\n<div class=\"canvasWrapper\"><\/div>\n<div class=\"textLayer\"><strong>Kapitel 5<\/strong><\/div>\n<div class=\"textLayer\">Ich fragte Sars, was BioNTech ist.\u201eDas ist eine Firma, die Impfstoffe herstellt.\u201c meinte Sars.Im Firmengeb\u00e4ude schienen alle angespannt auf irgendetwas zu warten. Es hing ein Bildschirm in der Eingangshalle und alle starrten darauf. Auf dem Bildschirm stand unten rechts:EUROP\u00c4ISCHE ARZNEIMITTELBEH\u00d6RDE \u2013BEKANNTGABE ZUR ZULASSUNG DES BIONTECH-VAKZINS GEGEN COVID-19Ich bekam ein flaues Gef\u00fchl im Magen \u2013gab es tats\u00e4chlich einen Impfstoff gegen uns, die Coronaviren?\u201e\u00c4hmm ... Sars?\u201c fragte ich.\u201eJa?\u201c\u201eDer Impfstoff gegen uns \u2013der wird doch jetzt nicht etwa zugelassen?\u201cSars und mir wurde bewusst, dass wir in der Patsche sa\u00dfen, als eineraus dieser komischen Beh\u00f6rde sagte: \u201eDer Impfstoff von der Firma BioNTech gegen CoViD-19 wird zugelassen. \u201cEs gab ein riesiges Gejubel. Aber Sars und ich h\u00f6rten das gar nicht mehr und sahenzu, dass wir rasch aus dem Geb\u00e4ude herauskamen.Wir fl\u00fcchteten bis zum Bahnhof und sprangen in einen Zug nach Timbuktu. Bis dahin wusste ich nicht mal, dass es das wirklich gibt.Nach drei\u00dfig Stunden Fahrt sagte der Schaffner, an den sich Sars und ich geheftet hatten, zu einem Mann, der noch nicht ausgestiegen war: \u201eAlles aussteigen! Oder wollen Sie zur\u00fccknach Murmansk kommen?\u201c Sars und ich sprangen aus dem Zug und sahen uns um. Es war weit und breit nur W\u00fcste.<\/div>\n<div><\/div>\n<div class=\"textLayer\"><strong>Kapitel 6<\/strong><\/div>\n<div class=\"textLayer\">Na ja, jetzt leben wir schon ein Jahr in der W\u00fcste. Und wir haben ein Kind gekriegt. Auf das sind wir m\u00e4chtig stolz. Es ist n\u00e4mlich eine Mutation. Wir haben unser Kind B117 genannt und raus in die Welt geschickt. Es schickt uns st\u00e4ndig Gr\u00fc\u00dfe aus Gro\u00dfbritannien. Anscheinend wird unser Kind im Fernsehen deswegen immer \u201eGro\u00dfbritannien-Mutation\u201c genannt. Auf jeden Fall hatten Sars und ich geheiratet, und wir lebten gl\u00fccklich in unserer D\u00fcne in Timbuktu.<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles anders - Eine Biografie des Coronavirus Kapitel 1 Hallo, mein Name ist Co Rona und ich wurde auf einem Markt im chinesischen Wuhan geboren. Dort war eine Riesenmenge an Leuten, super, dachte ich, hier kann ich mich ganz schnell verbreiten. 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