{"id":1798,"date":"2021-01-19T16:02:20","date_gmt":"2021-01-19T15:02:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=1798"},"modified":"2021-01-19T16:02:20","modified_gmt":"2021-01-19T15:02:20","slug":"juliette-wesarg-der-der-nicht-wusste-wer-er-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/juliette-wesarg-der-der-nicht-wusste-wer-er-war\/","title":{"rendered":"Juliette Wesarg: Der der nicht wusste wer er war"},"content":{"rendered":"<p>Grummelnd und noch immer m\u00fcde st\u00fctzte sich der Murmeltiger auf seine Vorderbeine und hielt eine Pfote \u00fcber seine Augen, um zu sehen was ihn so blendete. Es war Winter und der Murmeltiger war gerade erst eingeschlafen, der Sonnenaufgang konnte es also nicht sein. Genervt versuchte er etwas zu erkennen, doch er sah nichts, so sehr wurde er vom hellen Licht geblendet. Er dachte sich: Hoffentlich ist das nur ein bl\u00f6der Traum und ich wache gleich wieder auf. Daraufhin lie\u00df er sich gleich wieder in sein Grasbett fallen.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste, das ihn weckte war ein Geruch. Die Augen hatte er zwar noch fest verschlossen doch die kleine Nase des Murmeltigers zog einen verbrannten Mief ein. Keine Sekunde sp\u00e4ter war das Tier wach. Noch ver\u00e4rgerter als vorher zwang er sich aus seinem gem\u00fctlichen Bett und schlurfte g\u00e4hnend zum Eingang seiner H\u00f6hle, um zu sehen, was ihn aus seinem Schlaf gerissen hatte. Er brauchte nicht lange, um die Augen weit aufzurei\u00dfen und hellwach zu sein. Vor seiner H\u00f6hle hatte sich ein riesiges Feuer ausgebreitet.<\/p>\n<p>Er war wie gel\u00e4hmt. So etwas hatte der Murmeltiger noch nie zuvor gesehen. Er drehte langsam den Kopf, in der Hoffnung dass noch nicht alles um ihn herum verbrannt war. Doch um ihn herum waren nur verkohlte B\u00e4ume mit leeren \u00c4sten zu sehen. Er brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass er schleunigst verschwinden musste, um nicht wie die H\u00e4lfte seines geliebten Waldes zu enden.<\/p>\n<p>Doch der Abschied fiel ihm schwer. Er schaute auf sein gem\u00fctliches Bett, in welchem er so viele sch\u00f6ne warme N\u00e4chte verbracht hatte. Er wusste, dass seine ganze H\u00f6hle vom Feuer zerst\u00f6rt werden w\u00fcrde, und das machte ihn unendlich traurig. Doch er musste verschwinden. Er rannte ein letztes Mal in die H\u00f6hle, um sich das kleine T\u00e4schchen mit seinem Lieblingsfenchel zu schnappen, rannte wieder vor seine H\u00f6hle und drehte sich hektisch in alle Richtungen.<\/p>\n<p>Er erkannte die Lichtung, die noch vom hellen Mondlicht beleuchtet wurde. Mit schnellen Schritten lief er mit dem Feuer auf die Lichtung zu. Keine zwei Meter trennten ihn von der hei\u00dfen lodernden Wand. Der Murmeltiger war es nicht gewohnt schnell zu laufen, das und die W\u00e4rme des Feuers sorgten daf\u00fcr, dass er schon nach wenigen Minuten au\u00dfer Puste war.<\/p>\n<p>Doch die Lichtung war noch lange nicht erreicht! Er merkte wie schwer ihm das Atmen fiel und wie seine Schritte langsamer wurden. Er biss seine scharfen Z\u00e4hne zusammen und beschleunigte wieder. Doch schon kurze Zeit sp\u00e4ter musste er stehen bleiben. Er bekam keine Luft mehr. Ihm wurde schwindelig und er merkte wie die Flammen immer h\u00f6her wurden. Er sp\u00fcrte die Hitze auf seinem Fell und hatte das Gef\u00fchl, er w\u00fcrde von den immer h\u00f6her werdenden Flammen umschlossen.<\/p>\n<p>Keuchend drehte er sich im Kreis, versuchte einen Ausweg zu finden, doch es war zu sp\u00e4t. Ihm wurde schwarz vor Augen und er lie\u00df sich ersch\u00f6pft auf die Erde fallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>,,Haaalllllooooo! H\u00f6rst du mich?\u201c fragte eine laute Stimme.<\/p>\n<p>,,Lass ihn Jonald, der ist doch eh schon tot.\u201c meinte eine andere.<\/p>\n<p>Langsam \u00f6ffnete der Murmeltiger seine Augen. Er nahm erst verschwommene Umrisse von zwei Gestalten wahr. Als er merkte, dass es sich um zwei Bergziegen handelte, riss er die Augen weit auf, st\u00fctzte sich auf und rutschte erschrocken so weit wie m\u00f6glich weg von ihnen.<\/p>\n<p>Als w\u00e4re das nicht genug, war er so weit nach hinten gerutscht, dass er mit den Vorderbeinen rudernd ins Wasser fiel. Augenblicklich versank er im eiskalten Wasser. Obwohl der Murmeltieger ein guter Schwimmer war, hasste er es zu schwimmen und es \u00e4rgerte ihn, dass er jetzt dazu gezwungen war. Au\u00dferdem fand er das Wasser viel zu kalt.<\/p>\n<p>Sobald er das Ufer unter seinen kleinen Tatzen sp\u00fcrte, zog er sich fluchend aus dem Wasser und rannte erstmal f\u00fcnf Runden um den See, um auch ja jeden Tropfen Wasser von seinem Fell zu bekommen.<\/p>\n<p>Als das erledigt war, blieb er w\u00fctend vor den Ziegen stehen, welche ihn erschrocken ansahen. Er stemmte demonstrativ die H\u00e4nde in die Seiten und schnauzte die zwei Bergziegen grimmig an: ,,Was macht ihr in meinem Wald? Das hier ist mein Revier und ich m\u00f6chte hier keine anderen Tiere sehen, und schon gar nicht solche bl\u00f6den wei\u00dfen Zicken wie euch! Verschwindet!\u201c<\/p>\n<p>,,Wie bitte?\u201c fragte die eine Ziege. ,,Also erstens bist du hier in unserem Revier. Zweitens haben wir dir dein Leben gerettet du undankbares\u2026\u2026.\u00e4h\u2026...Jonald, was f\u00fcr ein Tier ist das eigentlich?\u201c<\/p>\n<p>Jonald musterte den Murmeltiger und runzelte fragend die Stirn.<\/p>\n<p>Das machte diesen nur noch w\u00fctender: ,,\u00c4h Hallo, ich bin ein Murmeltier, das sieht man ja wohl!\u201c Und bevor die Ziegen antworten konnten hatte er sich auch schon umgedreht und war mit gro\u00dfen Schritten davongestampft.<\/p>\n<p>Jonald sah ihm verwundert nach. ,,Komisch, ich h\u00e4tte schw\u00f6ren k\u00f6nnen, dass er ein Tiger ist.<\/p>\n<p>Auch sein Freund musste lachen. \u201eJa, so ein Temperament habe ich bei einem Murmeltier noch nie gesehen.\u201c<\/p>\n<p>Der Murmeltiger suchte sich beleidigt eine neue H\u00f6hle und verbrachte dort den Rest seines Winterschlafes ohne weitere St\u00f6rung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grummelnd und noch immer m\u00fcde st\u00fctzte sich der Murmeltiger auf seine Vorderbeine und hielt eine Pfote \u00fcber seine Augen, um zu sehen was ihn so blendete. 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