{"id":1789,"date":"2021-01-12T15:39:03","date_gmt":"2021-01-12T14:39:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=1789"},"modified":"2021-01-12T15:39:03","modified_gmt":"2021-01-12T14:39:03","slug":"katharina-watzel-malufandrohms-rat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/katharina-watzel-malufandrohms-rat\/","title":{"rendered":"Katharina Watzel: Malufandrohms Rat"},"content":{"rendered":"<p>Der riesige Baum, eingem\u00fcmmelt im dicken, reinen Wei\u00df, das ge\u00e4dert ist mit dunkelbraunen Strichen, thront majest\u00e4tisch im Licht der blendenden Morgensonne. Die Luft ist kalt und schmeckt k\u00fchl nach s\u00fc\u00dflichem Schnee, der auf der Erde ruht wie eine Decke. Der Himmel, makellos blau, wird nach hinten hin immer heller, bis er, ganz in wei\u00df, hinter den Bergen verschwindet, auf denen eine verschleiernde Nebelwolke liegt.<\/p>\n<p>\"Was mag sich wohl dahinter verbergen\", fragte sich der junge Rotfuchs Foral, als er, wie jeden Morgen, auf Nahrungssuche bei der gro\u00dfen, von allen Tieren verehrten Gl\u00fcckseiche stehen blieb, um sich wie jeden Morgen die selbe Frage zu stellen. An diesem perfekten Tag jedoch hielt er l\u00e4nger inne als gew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>\"Gibt es dort auch Rotf\u00fcchse? So gerne w\u00fcrde ich mal welche sehen\", dachte er, w\u00e4hrend er vertr\u00e4umt mit der Pfote Muster in den festen Schnee unter ihm schabte. \"Was spr\u00e4che dagegen, sich dort mal umzuschauen?\", schweiften seine Gedanken weiter. Genussvoll und voller Abenteuerlust sog Foral die frische Luft ein - Kalt! Diese K\u00e4lte brachte ihn wieder zu Sinnen. \"Wer wei\u00df, ob ich jemals an diesen Ort zur\u00fcckkommen werde, den ich so liebe?\", bedachte er sorgenvoll.<\/p>\n<p>Sehns\u00fcchtig streckte er sich, um einen besseren Blick auf das Tal zu erhaschen. Er wollte ja hinunter wandern, aber gleichzeitig sein Zuhause nicht verlassen. Geheimnisvolle Schatten tanzten hinter dem Nebel. So gern w\u00fcrde er herausfinden, was es mit ihnen auf sich hatte. Er seufzte gequ\u00e4lt. \"Wenn ich hierbleibe, werde ich ungl\u00fccklich, wenn ich weggehe, vermisse ich den Baum...\", dachte er verdrossen.<\/p>\n<p>\"Nanu\", ert\u00f6nte auf einmal eine Stimme, die eindeutig die des weisen Uhus Malufandrohm war, der sein Heim in der Gl\u00fcckseiche hatte. \"Du schaust so traurig aus!\"<\/p>\n<p>Foral drehte seinen Kopf nach Malufandrohm, als er schwerf\u00e4llig zu ihm hin\u00fcber glitt und tr\u00e4ge blinzelte. \"Vielleicht kann ich dir ja helfen?\", bot er an.<\/p>\n<p>\"K\u00f6nntest du mir vielleicht einen Rat geben, was ich tun soll?\", seufzte Foral und wies mit der Schnauze in das Tal, das sich vor ihnen auftat. Der Uhu kannte die Probleme von allen Tieren in der Gegend, denn wer eines hatte, ging damit zu Malufandrohm, damit er ihnen weiterhelfen konnte.<\/p>\n<p>Er schmunzelte, als er ebenfalls nach unten schaute. \"Das musst du dir schon selbst \u00fcberlegen\", fand er. \"aber du solltest nicht zu lange warten. Sonst wird es zu sp\u00e4t, und du wirst du zu alt, und dann hast du keine Wahl mehr. Wenn es daran liegt, dass du diesen Ort so liebst, dann sollst du wissen, dass es Gef\u00e4ngnisse gibt, die nur deswegen Gef\u00e4ngnisse sind, weil man gar nicht mehr hinaus will. Wenn es daran liegt, dass du Dinge entdecken willst, dann sage ich dir, dass es manchmal besser ist, wenn man etwas nicht wei\u00df\"<\/p>\n<p>Nachdenklich schaute Foral in die Mayemo-Berge. \"Mayemo\" bedeutete \"Sehnsucht\" in der alten Sprache der Adler, und \"Geheimnis\" in der alten Sprache der Schwalben.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich bemerkte er, dass Malufandrohm nicht mehr neben ihm sa\u00df. Die Sonne ging schon auf den Mittag zu, stellte er au\u00dferdem fest, als sein Magen laut knurrte. Dann ging er weiter auf Nahrungssuche.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1785 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Baum-im-Winter-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Baum-im-Winter-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Baum-im-Winter.jpg 509w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der riesige Baum, eingem\u00fcmmelt im dicken, reinen Wei\u00df, das ge\u00e4dert ist mit dunkelbraunen Strichen, thront majest\u00e4tisch im Licht der blendenden Morgensonne. Die Luft ist kalt und schmeckt k\u00fchl nach s\u00fc\u00dflichem Schnee, der auf der Erde ruht wie eine Decke. 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