{"id":1569,"date":"2019-05-26T00:00:13","date_gmt":"2019-05-25T22:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=1569"},"modified":"2019-05-20T20:50:25","modified_gmt":"2019-05-20T18:50:25","slug":"das-fantastische-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/das-fantastische-wir\/","title":{"rendered":"Das fantastische Wir"},"content":{"rendered":"<p>So kehren wir doch mal die Zeit ganz weit zur\u00fcck, zum Anfang. Zu der Zeit wo es noch keinen von uns gab, nur Adam und Eva. Die Geschichte mit dem Apfel sollte jeder kennen, deshalb \u00fcberspringen wir diese mal. Nun, Adam und Eva sind f\u00fcr die Entstehung der Menschheit verantwortlich, nicht wahr?<br \/>\nFantastisch, dass aus zwei, acht Milliarden entstehen konnten. Fantastisch sind die Frau und der Mann. Zuerst entsteht aus der befruchteten Eizelle nun ein Wesen, das sich Mensch nennt, dieses Wesen sind wir. Anfangs kriegt man nichts mit, nicht ob man geplant war, ob man Freude erweckt oder Verzweiflung. Wir sind in diesem Zustand das wohl unschuldigste Wesen erdenkbar. Man wird von Haut, Fett, Muskeln umh\u00fcllt und gleichzeitig durch eine einzige Schnur, der Nabelschnur bewirtet.<\/p>\n<p>Jetzt wachsen wir, es bilden sich Strukturen, Zellen vermehren sich und wir nehmen so langsam an Gestalt an. Dabei spielen die Gene unserer Eltern eine wichtige Rolle. Wenn wir annehmen, dass Adam und Eva unsere Vorfahren sind, so tragen wir alle irgendwo in unserem Erbgut ihr Gen. Die Gene bestimmen ob Stubsnase oder Rabennase, ob gro\u00dfe, runde Augen oder ob wir eine Brille brauchen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wird es laut, wir beginnen stimmen zu h\u00f6ren und bemerken, dass wir nicht allein sind. Wir nehmen schlie\u00dflich unser Umfeld wahr. Eine weiche Stimme ert\u00f6nt, sie l\u00e4sst uns nicht gehen. sie ist immer da und fl\u00fcstert manchmal zu uns. Wir gew\u00f6hnen uns an sie, nehmen sie wahr und beim erklingen dieser stimme freuen wir uns, wir alle. Wir beginnen zu treten, nicht aus Rache das wir in diese grenzenlos verhasste Welt gesetzt werden, sondern darum, dass wir wollen das wir auch wahrgenommen werden. In der Hoffnung, dass die so honig-s\u00fc\u00dfe Stimme sich an unserem Treten so erfreut, wie wir uns, wenn sie redet, murmelt, singt oder sogar flucht. Die meiste zeit schlafen wir, trotzdem schl\u00e4ft unser Umfeld nicht. Wer wei\u00df, vielleicht veranstalten sie eine Baby-shower-party oder kaufen uns Klamotten oder versuchen unser Geschlecht herauszufinden. Irgendwann wird es uns zu eng. Wir haben uns schon so gedreht, dass wir kopf\u00fcber in einer lustigen blase liegen. Es kommt sogar dazu, dass diese Blase platzt. Die Fl\u00fcssigkeit flie\u00dft dort lang, wo ich versuche rauszukommen, nur geht es bei mir nicht so einfach.<\/p>\n<p>Wir verursachen Schmerzen. Die uns so verl\u00e4ssliche Stimme beginnt auf einmal zu st\u00f6hnen, zu schreien. Um ihren Schmerzen ein Ende zu bereiten, versuchen wir es noch st\u00e4rker, jedoch weiterhin ohne Erfolg. Wir h\u00f6ren Sirenen, nur zu diesem Zeitpunkt wissen wir nicht was Sirenen sind, aber wir h\u00f6ren sie.<\/p>\n<p>Wir sp\u00fcren Druck, es wird w\u00e4rmer, enger. wir sehen Licht, so warmes Licht.<\/p>\n<p>H\u00e4nde greifen nach uns, wickeln uns ein und wir beginnen zu kreischen. Ihre Stimmen so fremd, uns wird kalt. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcren wir wieder W\u00e4rme, von Kopf bis Fu\u00df und siehe da, die verl\u00e4ssliche Stimme erklingt wieder, sodass wir unsere M\u00fcnder schlie\u00dfen. Unsere H\u00e4nde legen wir auf ihren K\u00f6rper und ohne weiteres schlafen wir ein. Dieses Gef\u00fchl von Geborgenheit ist fantastisch. Wie dem auch sei beginnen wir unser Umfeld wahrzunehmen. Ein Mann, der immer bei uns ist. Autos, Flugzeuge, andere Kinder, ja sogar uns selbst. Wir beginnen die Welt zu erforschen, tapsen durch die Gegend, greifen nach Gegenst\u00e4nden oder probieren alles M\u00f6gliche. Anfangs mussten wir daf\u00fcr auf unseren H\u00e4nden und Knien gehen, nun sind wir schon so weit, dass wir auf unseren F\u00fc\u00dfen gehen k\u00f6nnen. Die vertrauten Gesichter, die sich anscheinend Papa und Mama nennen, freuen sich umso mehr und richten ein viereckiges ding auf uns, aus dem ein grelles licht hervorgeht. Auf einmal sp\u00fcren wir etwas in unserem Mund, es schmerzt. Dennoch freuen sich Mama und Papa auch daran, sie nennen es ,,Z\u00e4hnchen \u0301 \u0301, und wieder ein grelles Licht. Und eines Tages kriegen wir dann auch eine Stimme, und bemerken nicht wie kraftvoll diese ist. Ein Wort, ein Wort kann so viel bewirken.<\/p>\n<p>Mein erstes Wort war ,,Mama \u0301 \u0301, sie freute sich riesig, Papa auch. Trotzdem konnte ich ein wenig Trauer erkennen. Dieser will ich nie wieder begegnen, weshalb ich ganz schnell gelernt hab ,,Papa \u0301 \u0301 zu sagen.<\/p>\n<p>Egal was wir tun, ob wir das Haus verw\u00fcsten, Puppen die Haare abschneiden oder daneben pinkeln, sie l\u00e4cheln jederzeit.<\/p>\n<p>Jetzt h\u00f6re ich Popmusik, experimentiere mit Klamotten und poste auf Instagram. Versuche herauszufinden wer ich bin, indem ich mich mit anderen vergleiche. Meine Freunde sagen ich sei besonders, aber was macht mich denn besonders?<\/p>\n<p>Wer konnte \u00fcberhaupt wissen, dass aus dieser einen Eizelle, wir mal werden? Ob wir m\u00e4nnlich oder weiblich sind? Ob wir Christen, Juden oder Moslems sind? Schwarz oder wei\u00df, Afrikaner, Europ\u00e4er, Amerikaner oder Asiaten? Wer konnte wissen, an welchem Ort der Welt wir geboren werden? Wer konnte \u00fcberhaupt wissen, dass man all das voneinander unterscheidet?<\/p>\n<p>Und weshalb gibt es diese Unterschiede? Weshalb vergisst der Mensch den Prozess der Sozialisation? Weshalb vernachl\u00e4ssigt er das der Prozess bei jedem der gleiche ist und wir alle doch Menschen sind?<\/p>\n<p>Trotzdem gibt es den Begriff ,,unmenschlich \u0301 \u0301. Er wird zum Beschreiben der Personen benutzt die Kriege zetteln, solchen die Moscheen, Kirchen, Synagogen bombardieren, solchen die andere wie uns nicht lassen die Welt zu erforschen, solchen die uns und unseren liebsten die Stimme nehmen. Ungeheuer ist der Mensch mit all seinen F\u00e4higkeiten. Diese Welt war nicht f\u00fcr Unterschiede und Hass bestimmt, sondern f\u00fcr Gemeinschaft und Harmonie,<br \/>\nSo schreibe ich es f\u00fcr alle nochmal ganz laut: WIR SIND GLEICH! Und das ist fantastisch!<\/p>\n<p>\u00a92019 SchreibKunst-Blog\/ Fatma Turgut (E-Phase)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So kehren wir doch mal die Zeit ganz weit zur\u00fcck, zum Anfang. Zu der Zeit wo es noch keinen von uns gab, nur Adam und Eva. 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