{"id":111,"date":"2017-02-08T00:03:46","date_gmt":"2017-02-07T23:03:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/?p=111"},"modified":"2017-02-07T14:58:51","modified_gmt":"2017-02-07T13:58:51","slug":"tori","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.luo-darmstadt.de\/schreibkunst\/tori\/","title":{"rendered":"TORI"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein sch\u00f6ner Sommertag. Die Sonne schien mir ins Gesicht und die V\u00f6gel zwitscherten ihre sch\u00f6nste Melodie. Ich war gerade mit meinen Schulaufgaben fertig geworden und sa\u00df nun im weichen gras vor unserer Haust\u00fcr. Ben hatte sich einige Tage zuvor mit unserem Nachbarsjungen angefreundet und spielte nun mit ihm Basketball. Ich h\u00e4tte zwar fragen k\u00f6nnen, ob ich mitspielen darf, aber ich wollte die beiden nicht st\u00f6ren. Also machte ich mich auf den Weg um die unbekannte Gegend zu erkunden. Wir wohnten in einer amerikanischen Vorstadt von Los Angeles und waren erst drei Tage zuvor angekommen, weshalb alles noch neu und unbekannt war. Vielleicht f\u00fchlen sich andere unwohl, wenn sie nichts und niemanden kennen, aber f\u00fcr mich ist es jedes mal einen M\u00f6glichkeit Neues kennen zu lernen. Also freute ich mich an diesem Tag darauf meine Umgebung zu erkunden. Als erstes lief ich etwas in unserem Block herum, bis ich eine wundersch\u00f6ne Wiese entdeckte. \u00dcberall wuchsen bunte Blumen und Insekten lieferten sich einen Kampf um die sch\u00f6nsten von ihnen. Ich rannte in die Mitte der Wiese, legte mich auf den Boden und schaute zu den Wolken hoch. Eine von ihnen hatte die Form eines \u00fcberdimensionalen Vogels mit drei Fl\u00fcgen. Zumindest sah sie f\u00fcr mich so aus. Der Rest meiner Familie sah immer etwas anderes in den Wolken als ich. F\u00fcr sie w\u00e4re die Wolke vielleicht ein Indianer oder ein Fisch. So war es oft mit meiner Phantasie. Sie war einfach zu abstrakt. Das war wahrscheinlich auch der Grund warum andere oft sagten, meine Vorstellungen w\u00e4ren falsch. Aber wie kann etwas nicht richtig sein, auf das niemand eine Antwort hat?<br \/>\n<!--more--><br \/>\nZum Beispiel ist Gott in meiner Vorstellung kein alter weiser Mann, sondern ein fetter Junge, der vor dem Fernseher sitzt und uns wie in einem Computerspiel steuert. Er versucht alles richtig zu machen, aber schafft es trotzdem immer alles ins Chaos zu st\u00fcrzen, weshalb ich der Meinung bin man soll sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und nicht dem armen Jungen die ganze Arbeit \u00fcberlassen. Als ich das einmal meiner Lehrerin erkl\u00e4rte, hat sie mich nur b\u00f6se angesehen und meint, ich d\u00fcrfe nicht so \u00fcber Gott reden, da es respektlos sei. Aber schlie\u00dflich war sie es ja, die nach meiner Meinung gefragt hatte. Au\u00dferdem habe ich ja nicht behauptet meine Vorstellung w\u00e4re die einzig richtige. Seit diesem Tag nenne ich diesen Jungen Jimmy und spreche kaum noch \u00fcber ihn. Ich schloss die Augen und lie\u00df die Welt auf mich wirken, als ich pl\u00f6tzlich ein Rascheln hinter mir h\u00f6rte. Ich setzte mich auf und schaute nach hinten. Da stand ein kleines M\u00e4dchen, etwa in meinem Alter und sah mich l\u00e4chelnd an. Ich ging auf sie zu und stellte mich freundlich vor, worauf hin sie mich nur weiter anl\u00e4chelte und nichts sagte. Pl\u00f6tzlich viel es mir wieder ein. Ich war in Amerika und mit meiner deutschen Vorstellung w\u00fcrde hier keiner etwas anfangen k\u00f6nnen. Also versuchte ich<br \/>\nes erneut. Diesmal allerdings mit meinem steifen Schulenglisch und sie antwortete auch. Ihr Name war Tori, sie war 7 Jahre alt und wohnte nur drei H\u00e4user weiter. Dann legte sie sich neben die Stelle, an der ich zuvor gelegen habe und schaute in Himmel. Ich warte kurz, ob sie noch etwas sagen w\u00fcrde und als ich schon fast gehen wollte riss sie mich mit den Worten, schau mal, die Wolke da sieht aus wie da ein Vogel mit drei Fl\u00fcgeln, aus meinen Gedanken. Ich musste lauthals loslachen<br \/>\nund schon nach wenigen Millisekunden stimmte sie mit ein. Ich legte mich neben sie und wir unterhielten uns weiter \u00fcber die Form von Wolken. Bis heute sind Tori und ich beste Freunde und sie versteht mich und meine verr\u00fcckte Phantasie. Ihr habe ich es auch zu verdanken, dass ich englisch mittlerweile fast so gut wie eine Muttersprache spreche. <\/p>\n<p>\u00a92017 Projekt \"SchreibKunst\"\/ Lilian Metz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war ein sch\u00f6ner Sommertag. Die Sonne schien mir ins Gesicht und die V\u00f6gel zwitscherten ihre sch\u00f6nste Melodie. Ich war gerade mit meinen Schulaufgaben fertig geworden und sa\u00df nun im weichen gras vor unserer Haust\u00fcr. 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